Nishad Malla und Armin Günther
Masterstudierende in den Vertiefungsrichtungen Agricultural Science und Transformation Management for Sustainable Agri-Food Systems
Ihr seid beide Studierende an der Universität Hohenheim im Fach Agrarwissenschaften, habt aber ganz unterschiedliche Hintergründe. Was hat Euch nach Hohenheim gebracht und was sind genau Eure Studienschwerpunkte?
Wir sind aus sehr unterschiedlichen Richtungen an die Universität Hohenheim gekommen, teilen aber ein gemeinsames Interesse: nachhaltige Agrar- und Ernährungssysteme nicht nur zu verstehen, sondern aktiv mitzugestalten.
Nishad ist nach Hohenheim gekommen, um sein Wissen in einem internationalen akademischen Umfeld zu vertiefen, das fundierte Agrarwissenschaften mit Nachhaltigkeit und Transformation verbindet. Zuvor war er mehrere Jahre in der Nachhaltigkeitsbildung, landwirtschaftlichen Ausbildung und der Entwicklung von Wertschöpfungsketten tätig,. Sein Studienschwerpunkt liegt im Transformationsmanagement.
Ich (Armin) habe über viele Jahre im Beratungsumfeld der Automobil- und Industriebranche gearbeitet. Dabei ist mein Fokus zunehmend auf agrarwissenschaftliche Fragestellungen gewachsen, insbesondere auf das Thema Boden.,. Das hat mich an die Universität Hohenheim geführt, wo ich zunächst im Master Agribusiness gestartet bin und mich anschließend stärker in Richtung Agrarwissenschaften mit Schwerpunkt Boden und ökologischer Landbau orientiert habe.
Was uns verbindet, ist der Anspruch, Theorie und Praxis zusammenzubringen – zum Beispiel im Market Gardening, das für uns wirtschaftliche Tragfähigkeit mit konkreter gartenbaulicher Umsetzung verbindet und damit ein besonders greifbares Modell für nachhaltige Ernährungssysteme darstellt.
Für das Seminar „Enacting Local Transformation in Agrifood Systems“ habt ihr ein Projekt angestoßen, in dem es um ein „Market Garden Learning Lab“ auf dem Campus geht. Was war bzw. ist genau Eure Idee und wie hat sich das Projekt bisher entwickelt? Welche Kooperationspartner habe ihr im Blick?
Im Rahmen des Seminars „Enacting Local Transformation in Agri-Food Systems“ ist unsere Idee entstanden, das Potenzial eines campusbasierten „Market Garden Learning Lab“ an der Universität Hohenheim zu erschließen. Ausgangspunkt war die Beobachtung einer deutlichen Diskrepanz: Während sich Market Gardening weltweit zu einer dynamischen, praxisgetriebenen Bewegung entwickelt hat, spielt dieses Wissen in der akademischen Lehre bislang nur eine untergeordnete Rolle – obwohl hier großes Potenzial für erfahrungsbasiertes Lernen liegt.
Unsere Idee ist es, genau diese Lücke zu schließen und Theorie und Praxis in einem realen Lern- und Experimentierraum auf dem Campus zusammenzubringen. Dafür haben wir zunächst eine Info-Session und einen Co-Creation-Workshop mit Studierenden, Lehrenden, Praktiker:innen und weiteren Akteur:innen organisiert, um gemeinsam Möglichkeiten, Anforderungen und Perspektiven zu erarbeiten.
Als wichtige Referenz dient uns die Studierendenfarm der SLU Alnarp, die zeigt, wie ein solcher Ansatz erfolgreich in Lehre und Praxis integriert werden kann. Gleichzeitig stehen wir im Austausch mit campusnahen Initiativen wie F.R.E.S.H., dem Green Office sowie weiteren universitären Akteur:innen, um konkrete Anknüpfungspunkte zu identifizieren.
Das Projekt befindet sich aktuell in einer explorativen Phase, in der es vor allem um gemeinsames Verständnis, Machbarkeit und die Entwicklung erster Umsetzungsansätze geht.
Welche Langzeitvision habt ihr für Euer Projekt?
Unsere Langzeitvision ist es, an der Universität Hohenheim ein dauerhaftes „Micro-Food Systems Learning Lab“ zu etablieren – einen Ort, an dem Studierende unterschiedlicher Fachrichtungen nachhaltige Ernährungssysteme praktisch erleben und mitgestalten können.
Im Zentrum steht ein campusbasierter Market Garden, der als realer Lern- und Experimentierraum fungiert und Theorie, Praxis und Austausch verbindet. Dabei geht es nicht nur um Agrarwissenschaften, sondern um ein interdisziplinäres Format, das Studierende aus verschiedenen Bereichen zusammenbringt.
Langfristig sehen wir darin einen Baustein einer umfassenderen Nachhaltigkeits-Lerninfrastruktur an der Universität, der praxisorientierte Lehre stärkt und gleichzeitig zur Sichtbarkeit von Transformationsprozessen im Ernährungssystem beiträgt.
Für uns ist entscheidend, dass ein solcher Ort nicht nur Wissen vermittelt, sondern konkrete Erfahrungen ermöglicht – und damit nachhaltige Veränderung im Denken und Handeln anstößt.
Euer Projekt und das Seminar, in dessen Rahmen ihr daran arbeitet, ist ein Beispiel für ein transformatives Lehrangebot. Was war oder ist daran für Euch besonders?
Für uns ist an diesem Seminar besonders, dass es einen Raum schafft, in dem wir nicht nur über Nachhaltigkeit sprechen, sondern aktiv an konkreten Initiativen arbeiten. Es verbindet akademisches Lernen mit echtem Stakeholder-Dialog und ersten praktischen Umsetzungsschritten – und geht damit deutlich über klassische Lehrformate hinaus.
Im Rahmen des T.R.E.E.-Projekts war das Seminar eines der wenigen Formate an der Universität, das diesen transformativen Anspruch wirklich konsequent umsetzt: Studierende werden nicht nur als Lernende verstanden, sondern als aktive Mitgestalter von Veränderungsprozessen.
Für uns persönlich war besonders wertvoll, dass wir reale institutionelle Rahmenbedingungen kennenlernen und mitgestalten konnten – inklusive aller Chancen, aber auch Herausforderungen.
Genau darin liegt die Stärke dieses Ansatzes: Er fördert systemisches Denken, Zusammenarbeit und Verantwortungsübernahme – und zeigt, wie Universitäten selbst zu Orten werden können, an denen Transformation nicht nur gelehrt, sondern praktisch erprobt wird.
Was treibt Euch an, Euch in diesem Projekt zu engagieren – und wie könnten sich andere Studierende einbringen, um daran mitzuwirken, dass das Markt Garden Lab Wirklichkeit wird?
Was uns antreibt, ist die Überzeugung, dass man nachhaltige Ernährungssysteme am besten versteht, wenn man sie praktisch erlebt. Aus unseren bisherigen Erfahrungen wissen wir, wie wirkungsvoll solche Lernräume sein können. Gleichzeitig sehen wir, dass dieses Potenzial an Universitäten in Deutschland bisher nur begrenzt genutzt wird.
Ein prägendes Beispiel für uns war die Studierendenfarm an der SLU Alnarp. Dort haben wir erlebt, dass sogar Studierende aus Deutschland gezielt nach Schweden gehen, um genau solche praxisnahen Lernformate zu erleben, weil es vergleichbare Angebote hier bislang kaum gibt. Für uns ist das ein klares Signal: Dieses Potenzial gehört auch an eine führende agrarwissenschaftliche Universität wie Hohenheim.
Andere Studierende können sich auf vielfältige Weise einbringen – sei es durch eigene Ideen, Mitarbeit in Workshops, Unterstützung bei ersten Pilotflächen oder über Projekte und Abschlussarbeiten. Gerade in dieser frühen Phase ist Engagement entscheidend, um aus einer Idee ein gemeinsames Projekt wachsen zu lassen.
Vielen Dank für das Gespräch!
März 2026