Florian Leonhardmair
Mitarbeiter der Stabsstelle Pressearbeit, interne Kommunikation & Social Media
Bei der Pressestelle laufen die Fäden im Bereich der Kommunikation der Universität nach innen und nach außen zusammen. Sie sind dabei der Ansprechpartner wenn es z. B. um das Green Office oder insgesamt um „Nachhaltigkeit“ geht. Wie sieht Ihre Arbeit in diesem Bereich aus, was Sind konkret Ihre Aufgaben?
Wir verstehen uns in der Stabsstelle als Team eines gemeinsamen „Content-Hubs“.
Themen, die wir aufschnappen oder die aktiv an uns herangetragen werden, prüfen wir gemeinsam: Welche Nachrichtenfaktoren und welche Geschichten stecken darin? Für welche Zielgruppen sind sie relevant? In welchen Kanälen und Formaten lassen sie sich am besten erzählen?
Alle im Team haben ihr Ohr an unterschiedlichen Stellen der Universität – und ich bringe unter anderem Themen aus dem Bereich Nachhaltigkeit und dem Umfeld des Green Office ein.
Bei der Umsetzung arbeiten wir arbeitsteilig. Ich bin vor allem für die interne Kommunikation zuständig. Das heißt, ich habe Hohenheimer Studierende, Forschende und Beschäftigte als Zielgruppen im Blick. Wichtige Kanäle sind dabei beispielsweise der Hohenheimer Online-Kurier, Video-News auf Instagram oder die Mensa-Screens.
Die Kommunikation über Dinge ist das eine, der tatsächliche Fortschritt das andere. Wie sehen Sie diesbezüglich das Thema Nachhaltigkeit an der Universität? Welche Fortschritte haben wir in den letzten Jahren gemacht? Machen auch Universitäten Green Washing?
Nachhaltigkeit an einer Universität umfasst viele Dimensionen, die unterschiedlich weit entwickelt sind. Im Bereich Forschung kann die Uni Hohenheim glänzen – von Biodiversität über nachhaltige Lösungen für Landwirtschaft und Ernährung bis hin zur bioökonomischen Kreislaufwirtschaft.
Anders sieht es beim alltäglichen Betrieb und der Infrastruktur aus. Wir heizen nach wie vor mit Gas, PV-Anlagen auf Uni-Gebäuden sind noch eher die Ausnahme und für viele Universitätsangehörige ist das Auto nach wie vor unverzichtbar – um nur einige Beispiele zu nennen.
Als Mitglied des Green Teams „Betrieb & Infrastruktur“ weiß ich: Diese Herausforderungen sind komplex und erfordern einen langen Atem. Das heißt aber nicht, dass die Uni untätig ist. Im Rahmen der Nachhaltigkeitsstrategie wird systematisch an Lösungen gearbeitet. Das ist für mich ein wichtiger Fortschritt. Viele kleinere und größere Erfolge sind unter anderem in diesem Nachhaltigkeitsbericht dokumentiert.
Kommunikativ gilt es, die richtige Balance zu finden: Probleme nicht kleinreden, aber auch nicht den Eindruck erwecken, es bewege sich nichts. Denn auch kleinere Fortschritte können ermutigen und sind es wert, erzählt zu werden. Kommunikation darf dem tatsächlichen Fortschritt jedoch nie vorauslaufen, und Herausforderungen dürfen nicht ausgeblendet werden. Wenn wir uns daran orientieren, vermeiden wir Greenwashing.
Was sind die Herausforderungen, an einer Profiluniversität wie hier in Hohenheim über Nachhaltigkeit zu kommunizieren? Welche Themen sind „einfach“, welche eher „schwierig“?
Wir beobachten immer wieder: Manche Themen sind Selbstläufer, andere finden nur wenig Resonanz. Besonders gut funktionieren Inhalte, wenn sie Emotionen auslösen, einen praktischen Nutzwert haben oder an aktuelle Debatten anknüpfen.
Ein Beispiel: Beiträge über niedliche Honigbienen sind ein Garant für Aufmerksamkeit. In den Medien werden sie deshalb oft zum Symboltier für das „Insektensterben“ schlechthin stilisiert – obwohl sie als Nutztier des Menschen davon eigentlich gar nicht betroffen sind. Aber wer schaut schon ein Video über Mücken?
Auch die Visualität spielt eine wichtige Rolle. Große Agrarmaschinen lassen sich toll in Szene setzen, wohingegen sich wirtschaftswissenschaftliche Analysen oft nur schwer bebildern lassen. Dann gilt es, kreative Wege zu finden.
Angesichts der vielen Krisen in der Welt schien es zeitweise, als könnten wir mit Nachhaltigkeitsthemen generell nur noch schwer durchdringen. Solche Phasen können sich jedoch schnell wieder ändern – etwa wenn politische Konflikte die Preise für fossile Energien steigen lassen oder eine extreme Hitzewelle den Klimawandel zurück in die Schlagzeilen bringt. Dann gilt es, diese Aufmerksamkeit zu nutzen.
Als Universität sollten wir uns nie ausschließlich von Klickzahlen leiten lassen. Wichtig ist aber, die Mechanismen dahinter zu kennen – um sie kreativ zu nutzen oder eben bewusst andere Wege zu wählen, eine Geschichte spannend zu erzählen.
Welche Kommunikationsmaßnahmen zur Nachhaltigkeit der letzten Jahre haben sich für die Universität gut bewährt – und welche hat Ihnen persönlich besonders gut gefallen?
Ich denke gerne an unser Aktionssemester Nachhaltigkeit zurück, das wir im Frühjahr 2024 parallel zur Einführung des Green Office ausgerufen haben. Ein Semester lang gab es mehrere Reihen, die über unterschiedliche Kanäle hinweg erschienen sind. Dazu zählten unsere „Greenfluencer“, also Menschen, die sich mit ihrem Engagement für eine nachhaltigere Uni einsetzen. Oder die „Grünen Zahlen“, die anhand einer Kennzahl jeweils ein Nachhaltigkeitsthema in einem kurzen Artikel beleuchteten.
Auf unserer Plattform „Besser wär besser“ konnten Nachhaltigkeitsideen eingereicht und bewertet werden. Ergänzend dazu gab es eine Veranstaltung in der TMS mit dem Rektor und verschiedenen Nachhaltigkeits-Akteur:innen, inklusive einer „Schnippel-Disko“, bei der Studierende aus krummem Gemüse, das sonst nicht mehr hätte verkauft werden können, eine schmackhafte Mahlzeit zubereiteten.
Nachhaltigkeitskommunikation kann in unserer täglichen Arbeit in der Stabsstelle leider nicht immer einen so breiten Raum einnehmen wie im Rahmen des Aktionssemesters. Umso wertvoller ist das Engagement all jener, die das Thema an anderen Stellen sichtbar machen und weitertragen. Im Green Office und seinem Netzwerk geschieht genau das – unter anderem mit dieser Interview- und Gesprächsreihe, die die Idee der „Greenfluencer“ aufgreift und Menschen in den Mittelpunkt stellt, die Nachhaltigkeit mit ihren Perspektiven und ihrem Engagement mitgestalten.
Sie arbeiten im Green Team Betrieb & Infrastruktur mit und sind als dessen Sprecher auch Mitglied des Green Board, unserem strategischen Steuerungs- und Beratungsgremium für Nachhaltigkeit an der Universität. Warum Betrieb & Infrastruktur?
Über unseren Ideenwettbewerb im Aktionssemester „Nachhaltigkeit“ und zuvor über die Plattform „Besser wär besser“ hatte ich begonnen, mich intensiver mit Verbesserungsvorschlägen für den Campusbetrieb auseinanderzusetzen. Vor der Einführung des Green Office fehlte jedoch oft eine Stelle, die Ideen weiterverfolgt – auch dann, wenn sie sich nicht sofort umsetzen lassen.
Deshalb hat mir die Idee der Green Teams von Anfang an gut gefallen. Als mich die damalige Leiterin Anna-Lena Müller-Wengerofsky fragte, ob ich selbst mitmachen möchte, musste ich nicht lange überlegen.
Welchen Erfolg der Universität im Bereich der nachhaltigen Entwicklung würden Sie in, sagen wir einmal 2-3 Jahren, gern breit kommunizieren?
Mein optimistischer News-Ticker würde so aussehen: +++ Uni schafft Einstieg in die Wärmewende +++ Umsteigefreie Stadtbahn-Verbindung fertiggestellt +++ Uni Hohenheim wird verkehrsberuhigter Fahrrad-Campus +++ Green Campus-Festival wird zum Besuchermagnet +++ Agro-Photovoltaik-Forschung versorgt Campus mit Strom +++ Jährliche Flugreisen auf die Hälfte reduziert +++ Green Teams können sich vor engagierten Studierenden und Beschäftigten nicht mehr retten +++
Vielen Dank für das Gespräch!