Louisa Mach und Janine Peters
Mitarbeitende der Zentralen Studien- und Karriereberatung (ZSK) der Universität Hohenheim
Was sind Ihre Aufgaben in der ZSK und mit welchen Statusgruppen haben Sie dabei vor allem zu tun?
Peters: Ich bin im CareerCenter der ZSK für die Koordination des BRICKS-Projekts verantwortlich. BRICKS ist ein Karriere-Qualifikationsprogramm, das internationale Masterstudierende bereits während ihres Studiums gezielt auf den Einstieg in den deutschen Arbeitsmarkt vorbereitet.
Im Zentrum meiner Arbeit steht die kontinuierliche Weiterentwicklung des Angebots sowie dessen passgenaue Ausrichtung an die Bedürfnisse internationaler Studierender im Hinblick auf ihren Berufseinstieg in Deutschland. Zusätzlich berate ich Studierende individuell. Aktuell konzentriere ich mich auf den Netzwerkaufbau zu Unternehmen. Ebenso arbeite ich eng mit anderen Hochschulen in Baden-Württemberg zusammen, um das Angebot hochschulübergreifend weiterzuentwickeln und Kooperationen nachhaltig zu stärken.
Mach: Ich arbeite im Projekt Contactline zur Berufsorientierung an beruflichen Gymnasien und begleite Studierende im Übergang zwischen Studium und Beruf. Zusätzlich biete ich am CareerCenter Formate wie die Climate Action Simulation oder das Carbon Literacy & Action Training an. Dabei arbeite ich vor allem mit Studierenden aus unterschiedlichen Fachrichtungen zusammen. Besonders spannend finde ich, junge Menschen dabei zu unterstützen, Nachhaltigkeit nicht nur theoretisch zu verstehen, sondern auch praktisch mitzudenken und aktiv mitzugestalten.
Wo sehen Sie bei Ihrer Arbeit Beiträge zur Nachhaltigen Universität?
Peters: Im Rahmen des BRICKS-Projekts tragen die F.I.T-Kurse, die wir über unsere universitätsinterne Weiterbildungsplattform anbieten, gezielt zur Nachhaltigkeit an der Universität bei. Dazu gehören Formate wie „Climate Action Simulation“, die „CSRD Challenge“ oder „Carbon Literacy“, die Studierende für Klima- und Nachhaltigkeitsthemen sensibilisieren und praxisnahe Kompetenzen vermitteln.
Darüber hinaus haben wir gemeinsam mit dem Green Office im Rahmen eines lockeren Deutsch-Sprachlernangebots das Thema Recycling behandelt. Zudem beteiligen wir uns am „Green Lunch“, der deutsche und internationale Studierende bei einem gemeinsamen Mittagessen zusammenbringt und den Austausch zu Nachhaltigkeitsthemen fördert. Insgesamt verbinden diese Formate ökologische Bildung mit sozialer Nachhaltigkeit und stärken gleichzeitig Integration und Chancengleichheit.
Mach: Nachhaltigkeit bedeutet für mich nicht nur Umwelt- und Klimaschutz, sondern auch soziale Teilhabe und die Frage, wie wir Menschen befähigen können, Zukunft aktiv mitzugestalten. Genau das passiert in vielen Angeboten des CareerCenters, etwa in den schon genannten F.I.T.-Kursen oder im Rahmen von Projekten der Green Teams. Dort lernen Studierende, Verantwortung zu übernehmen, Perspektiven zu wechseln und gemeinsam Lösungen zu entwickeln. Besonders schön ist zu sehen, wie viel Motivation und Gemeinschaft dabei entsteht.
Wie kann man sich Formate wie eine Climate Action Simulation oder einen interaktiven Sprachkurs zu Nachhaltigkeitsthemen genau vorstellen?
Peters: Ein interaktiver Sprachkurs zu Nachhaltigkeitsthemen verbindet Sprachlernen mit inhaltlichem Arbeiten an aktuellen Themen wie Recycling, Klimaschutz oder nachhaltigem Konsum. Statt nur Grammatik zu üben, wird die Sprache genutzt, um echte Inhalte zu diskutieren, Meinungen auszutauschen oder kleine Projekte zu bearbeiten. Besonders motivierend ist dabei, dass die Teilnehmenden nicht nur ihre Sprachkompetenz verbessern, sondern gleichzeitig relevante gesellschaftliche Themen kennenlernen und darüber ins Gespräch kommen. Das macht die Kurse oft sehr dynamisch, alltagsnah und für viele auch überraschend unterhaltsam.
Mach: Die Climate Action Simulation ist ein interaktives Rollenspiel, das einen Weltklimagipfel simuliert. Die Teilnehmenden übernehmen dabei die Rollen unterschiedlicher Stakeholder, etwa Regierungen, Unternehmen oder NGOs und verhandeln gemeinsam über Klimaziele und Maßnahmen. Dabei wird diskutiert, gestritten und verhandelt, bis im besten Fall sogar das 1,5-Grad-Ziel erreicht wird. Das Besondere daran ist, dass komplexe Zusammenhänge nicht nur theoretisch erklärt, sondern direkt erlebt werden. Die Studierenden entwickeln dabei wichtige Kompetenzen wie systemisches Denken, Teamarbeit und Ver-handlungsgeschick und vor allem macht es unglaublich viel Spaß, weil Lernen hier sehr lebendig und praxisnah wird.
Was können wir für die Universität Hohenheim von unseren Internationals für die nachhaltige Entwicklung in Hohenheim lernen?
Peters: Internationale Studierende bringen für die nachhaltige Entwicklung vor allem Perspektivenvielfalt, Erfahrungshintergründe und Vergleichswissen aus anderen Ländern mit. Dadurch kann Nachhaltigkeit weniger als rein lokales Konzept verstanden werden, sondern als globales und diverses Thema mit unterschiedlichen Lösungsansätzen. Ich glaube, es ist wichtig, diesen Erfahrungsschatz noch stärker sichtbar zu machen und aktiv in Projekte, Lehrveranstaltungen und Diskussionen einzubinden.
Gleichzeitig stärken internationale Studierende die soziale Nachhaltigkeit, indem sie zur interkulturellen Öffnung der Universität beitragen und inklusive Lern- und Begegnungsräume fördern. Formate gemeinsamer Zusammenarbeit zeigen, wie wichtig niedrigschwellige Kontakte für Integration und gegenseitiges Verständnis sind.
Frau Mach, Sie sind auch Mitarbeiterin im Fachgebiet Innovationsmanagement und außerdem Mitglied im Green Team Studium und Lehre. Dabei bringen Sie sich unter anderem in die Umsetzung von Outdoor-Lernplätzen ein. Was bewegt Sie zur Mitarbeit im Green Team – und was können Sie uns darüber berichten?
Mach: Die Mitarbeit im Green Team bedeutet für mich vor allem, gemeinsam mit Kolleg:innen etwas aktiv bewegen zu können. Besonders schön finde ich die interdisziplinäre Zusammenarbeit; dadurch lernt man viele neue Perspektiven und Menschen an der Universität kennen. Uns verbindet die Überzeugung, dass Nachhaltigkeit an der Universität noch viel stärker gelebt werden kann. Ein konkretes Projekt sind aktuell die Outdoor-Lernplätze. Wir sehen, dass Studierende diese Orte brauchen: zum Lernen, Austauschen und Verweilen. Gleichzeitig haben wir mit unserem wunderschönen Campus ideale Voraussetzungen dafür. Deshalb möchten wir mehr attraktive Außenbereiche schaffen, die Studium, Begegnung und Nachhaltigkeit miteinander verbinden.
Die von Ihnen genannten Beispiele für Veranstaltungen verbessern unsere Kultur der Nachhaltigkeit auf dem Campus. Welche Veränderungen – konkret oder visionär – wünschen Sie sich noch für unsere Universität, wenn es ums Thema Nachhaltigkeit geht?
Peters: Ich wünsche mir, den Campus der Universität Hohenheim noch stärker als lebendigen Nachhaltigkeitsraum („Living Campus“) zu gestalten. Dabei könnten die Hohenheimer Gärten und der gesamte Campus intensiver in Lehre, Forschung und Verwaltung eingebunden werden. Offene Begegnungs- und Lernorte im Grünen, die das Arbeiten und den Austausch außerhalb klassischer Räume ermöglichen, wären in diesem Rahmen denkbar.
Ergänzend könnten essbare Landschaften mit Obstbäumen, Kräutern oder Gemüsebeeten entstehen, die gemeinschaftlich gepflegt werden. Gemeinschaftliche Projekte wie Food-Sharing-Spaces, Campus-Gemeinschaftsküchen oder „Vertical Gardening” könnten den nachhaltigen Alltag ergänzen. Visionär wäre zudem ein stärker autofreier Campus mit konsequenter Förderung nachhaltiger Mobilität.
Mach: Ich wünsche mir, dass Nachhaltigkeit künftig nicht mehr als zusätzliches Thema verstanden wird, sondern als selbstverständlicher Bestandteil unseres Handelns. Nachhaltigkeit sollte nicht etwas sein, das „auch noch mitgedacht“ wird, sondern die Grundlage dafür, wie wir lehren, forschen und zusammenarbeiten. Dafür braucht es noch mehr Austausch zwischen Bereichen und mehr gemeinsame Projekte über Fachgrenzen hinweg. Gerade Universitäten haben die Chance, neue Ideen auszuprobieren und gesellschaftliche Veränderungen aktiv mitzugestalten.
Vielen Dank für das Gespräch!
Mai 2026