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Barrieren abbauen!

Die Schwerbehindertenvertretung der Universität Hohenheim setzt sich für die Rechte und Bedürfnisse schwerbehinderter Beschäftigter ein – und zeigt, wie gelebte Inklusion ein zentraler Baustein sozialer Nachhaltigkeit wird.

Foto: Eine Person trägt einen roten Hoodie mit der Aufschrift 'Universität Hohenheim' und steht auf einem von Bäumen gesäumten Weg auf dem Campus der Universität Hohenheim. Im Hintergrund sind weitere Personen und Gebäude sichtbar.

Matthias Bader

Schwerbehinderten­vertretung, Mitglied des Personal­rats

 

Sie sind nicht nur Mitglied des Personal­rats der Uni­versi­tät, sondern auch Vertrauensperson für schwerbehinderte Mitarbeiter:innen. Was bedeutet das, und um was geht es in Ihrer Arbeit? 

Als Vertrauensperson bin ich erste Anlaufstelle für schwerbehinderte Kolleg:innen – mit offenem Ohr, klarer Haltung und Verschwiegenheit. Ich achte darauf, dass ihre Rechte gewahrt und Nachteilsausgleiche tatsächlich umgesetzt werden. Dazu gehört, an Einstellungen, Umsetzungen und Arbeitsplatzgestaltungen mitzuwirken. Ich suche gemeinsam mit Betroffenen und Vorgesetzten nach pragmatischen, tragfähigen Lösungen. Wichtig ist mir, dass niemand seine Behinderung „verstecken“ muss, sondern Unterstützung selbstverständlich wird. Im Personal­rat bringe ich diese Perspektive konsequent in alle Entscheidungen ein. So versuche ich, aus einzelnen Fällen strukturelle Verbesserungen für alle zu machen.

An der Uni­versi­tät Hohen­heim denken wir beim Stichwort Nachhaltigkeit häufig an unsere Kernthemen in der Forsch­ung, beispielsweise Bio­ökonomie, Ernährungssicherung usw. Im Betrieb der Uni spielen Energieverbräuche und Ressourcen eine große Rolle. Aber es gibt auch Aspekte sozialer Nachhaltigkeit und Organi­sationsstrukturen, die diese fördern. Wie würden Sie Ihre Arbeit hier einordnen?

Soziale Nachhaltigkeit heißt für mich: Menschen sollen langfristig gesund, selbstbestimmt und respektiert arbeiten können.
Wenn wir Arbeitsplätze barrierefrei gestalten, schaffen wir Rahmenbedingungen, die Belastungen reduzieren und Teilhabe sichern. Meine Arbeit zielt darauf, dass Behinderung nicht zum Karrierehindernis wird. Strukturell bedeutet das: Verfahren, Gremien und Führungskräfte müssen Inklusion aktiv mitdenken. Jede gelungene Anpassung – von der Technik bis zur Arbeitszeit – stärkt die ganze Organi­sation. So wird aus Einzelinteressen ein Baustein einer nach­haltigen Uni­versi­tätskultur.

Welche Momente oder Maßnahmen haben Sie schon erlebt, die Ihnen Mut gemacht haben, weil Dinge verbessert wurden?

Mut macht mir, wenn Beschäftigte frühzeitig auf mich zukommen und wir gemeinsam gute Lösungen finden. Ein Beispiel sind gelungene Wiedereingliederungen nach längerer Erkrankung, bei denen Team und Leitung wirklich mitziehen. Auch bauliche Verbesserungen wie zusätzliche Aufzüge oder automatische Türen zeigen, dass Barrierefreiheit ernst genommen wird. Positiv erlebe ich Fortbildungen, in denen Führungskräfte offen über Unsicherheiten im Umgang mit Behinderung sprechen. Besonders ermutigend ist, wenn Betroffene später sagen: „Ich konnte bleiben, weil ich Unterstützung bekommen habe.“

Welche Veränderungen würden Sie gerne anpacken, um die Situation für Schwerbehinderte, aber auch für andere Menschen, die von Barrieren betroffen sind, bei uns an der Uni­versi­tät zu verbessern? 

Ich wünsche mir eine systematische, campusweite Barrierefreiheitsplanung statt Einzellösungen. Digitale Barrierefreiheit sollte verbindlicher Standard werden, nicht freiwillige Zugabe. Führungskräfte brauchen klare Leitlinien und Schulungen zu Inklusion.
Und: mehr Offenheit, damit Betroffene Unterstützung frühzeitig in Anspruch nehmen können.

Welche Möglichkeiten haben alle Mitarbeitenden an der Uni­versi­tät aus Ihrer Sicht, um ein gutes soziales Miteinander voranzubringen? 

Zuhören, bevor man urteilt, und Hilfe anbieten, ohne zu bevormunden. Barrieren ansprechen und melden, auch wenn man selbst nicht betroffen ist. In Meetings auf verständliche Sprache und zugängliche Materialien achten. Und im Alltag bewusst darauf achten, niemanden „mitzudenken“, sondern einzubeziehen.

Vielen Dank für das Gespräch! 

Mai 2026

Steckbrief

Name: 
Matthias Bader

Rolle: 
Schwerbehinderten-vertretung, Mitglied des Personalrats

Ein Lieblingsort an der Universität: 
Der exotische Teil vom Hohenheimer Park

Mein Buchtipp:
keine bestimmten Titel eher Autoren: J.R.R Tolkin,  Stephen Hawkin  und viele mehr