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Schaffen mit Schafen

Der obere Lindenhof ist Teil der rund 770ha umfassenden Versuchsstation Agrarwissenschaften der Universität Hohenheim. Ottmar Leyrer, seit über 40 Jahren Tierwirtschaftsmeister am oberen Lindenhof, berichtet von praxisorientiertem Nachhaltigkeitstransfer an seinem besonderen Arbeitsort. 

Foto: Eine Person mit Hut steht auf einer grünen Weide, auf der Schafe grasen. Im Hintergrund sind Bäume und ein Strommast zu sehen.

Ottmar Leyrer

Landwirt und Tierwirtschaftsmeister sowie Leiter des Bereichs Wiederkäuer am Stand­ort Linden­höfe der Versuchs­station Agrar­wissen­schaften 

 

Herr Leyrer, bei einem Arbeitsplatz an der Uni­versi­tät denken die meisten von uns wohl zuerst an ein Büro, Computer, an Hörsäle oder an Laborarbeit in weißem Kittel. Wie sieht ihr Arbeitsplatz aus und welche Aufgaben erfüllen Sie an der Uni­versi­tät Hohen­heim? 

Mein Arbeitsplatz, an dem ich seit 1984 im Einsatz bin, hat viele Gesichter. Zu meinen Aufgaben im Stall, auf der Weide und im Büro gehört die Pflege und Versorgung der Versuchstiere sowie die Mitarbeit bei aktuellen Forschungs­projekten. Ich arbeite dabei an der Datenerfassung mit. Im aktuellen Forsch­ungsprojekt „SheepR3“ werden beispielsweise regelmäßig junge Lämmer auf Innenparasiten untersucht.

Ich sehe mich bei meiner Arbeit als Bindeglied zwischen Forsch­ung und landwirtschaftlicher Praxis, d.h. meine Aufgaben liegen auch im Bereich des Transfers, sowohl von den Höfen nach Hohen­heim als auch beispielweise mit den professionellen baden-württembergischen Schäfereien, mit denen wir über den Landesschafzuchtverband sehr gut vernetzt sind. 

Für die Uni Hohen­heim ist Nachhaltigkeit ein wichtiges Thema. Es geht um einen nach­haltigen Betrieb, Lehrangebote zur ökologischen Trans­formation, aber genauso auch um den schon angesprochenen Transfer von Forsch­ungsergebnissen in die Gesell­schaft. In diesem Fall um Impulse, die eine nach­haltige Entwicklung voranbringen. Wo sehen Sie in Ihrer täglichen Arbeit Anknüpfungspunkte zum Thema Nachhaltigkeit? 

Natürlich in der Forsch­ungstätigkeit in erster Linie, unter anderem in dem schon erwähnten aktuelle Forsch­ungsprojekt. In diesem wird versucht, über einen züchterischen Ansatz die Resistenz und Resilienz von Schafen gegenüber Innenparasiten, in diesem Fall Würmer, zu verbessern. Wenn das gelingt, braucht man weniger Arzneimittel. Das schont den Geldbeutel der Tierhalter und ebenso die Umwelt. Denn Rückstände aus den Medikamenten, z. B. Wurmkuren, landen letztlich im Schafskot und können sich beispielsweise negativ auf Insekten auswirken, die auf tierische Hinterlassenschaften angewiesen sind.

Auf dem oberen Lindenhof haben wir insgesamt rund 300 Mutterschafe und ihre Nachzucht, also Lämmer. Diese Tiere arbeiten hier neben ihrer „Tätigkeit als Versuchstiere“ auch an der Offenhaltung der Kulturlandschaft hier oben auf der Schwäbischen Alb mit. Diese Region der Grenzertragslandwirtschaft ist prädestiniert für die Schafhaltung. Es laufen hierzu auf Flächen des oberen Lindenhofs auch Langzeit-Parzellenversuche mit unterschiedlichen Flächenbewirtschaftungsformen. Auf diesen wird auch die Leistung von Schafen für die Kulturlandschaftserhaltung und -bewirtschaftung untersucht. 

Unsere Forsch­ung und Tier­haltung ist hier also eingebettet in die regionale Kulturlandschaft dieser traditionellen Grünland- und Schafregion. Das hat auch etwas mit Nachhaltigkeit zu tun. Dazu zählt beispielsweise auch, dass wir mit kurzen Transportwegen arbeiten, zum Beispiel werden unsere Schlachtlämmer von einem regionalen Schäfer in Münsingen vermarktet. 

Gibt es noch weitere positive Auswirkungen von Forschungs­projekten im Bereich der Schafhaltung, die Sie in den vergangenen Jahren begleitet haben und hier nennen möchten? 

Zu SheepR3 gab es schon mehrere „Vorversuche“, deren Ergebnisse allesamt von der Praxis mit Interesse aufgenommen wurden. Ganz interessant fand ich auch ein Projekt zum „Schwanz kupieren“ bei Merinoschafen, dessen Ergebnisse hoffentlich im Tierschutzgesetzt seine Anwendung findet. 

Wie sehen für Sie berufliche Erfolgsmomente in Ihrer Arbeit aus? Fällt Ihnen eine Situation ein, in der Sie das Gefühl hatten, richtig „vorangekommen“ zu sein, evtl. sogar mit Blick auf Nachhaltigkeit? 

Wenn es „meinen“ Tieren gut geht und z.B. eine Ablammung mit einigen Nachtschichten im Stall mit vielen gesunden und vitalen Lämmern belohnt wird. 

Welche Fragen und Themen sind aus Ihrer Sicht in Ihrem Arbeitsumfeld am Stand­ort Oberer Lindenhof besonders wichtig, wenn wir über eine „nach­haltigere Uni­versi­tät“ sprechen?

Dazu gehören für mich Forsch­ungsvorhaben mit dem Ziel der Ressourcenschonung von Boden, Wasser und Luft und der Verringerung von Immissionen. Hier sind meiner Meinung nach die Forschenden im Pflanzen­bau genauso gefordert wie die im tierischen Bereich. 

Eine nach­haltige Uni­versi­tät sollte aber auch die energetische Sanierung ihrer Gebäude nicht aus den Augen verlieren! Ich finde es schade, dass ich Ihnen auf dem oberen Lindenhof keine einzige PV-Anlage zeigen kann. 

Zum Schluss: Welche Möglichkeiten haben Studierende der Uni­versi­tät, um während ihres Studiums auch mal an diesen schönen Ort zu kommen, auch wenn man nicht Agrar­wissen­schaften studiert? 

Es sind immer wieder Exkursionen zu den Linden­höfen im Angebot der Hohen­heimer Wissen­schaftlerinnen und Wissen­schaftler. Außerdem ist der obere Lindenhof frei zu Fuß oder mit dem Rad zugänglich. Wenn der Schäfer gut aufgelegt ist, besteht auch die Chance, in den Stall zu schauen (*lacht*). 

Vielen Dank für das Gespräch! 

April 2026

Steckbrief

Name: 
Ottmar Leyrer

Rolle: 
Landwirt und Tierwirtschaftsmeister sowie Leiter des Bereichs Wiederkäuer am Standort Lindenhöfe der Versuchsstation Agrarwissenschaften 

Ein Lieblingsort an der Universität: 
Bei den Schafen

Mein Tipp für gute Laune:
Landwirt und Tierwirtschaftsmeister sowie Leiter des Bereichs Wiederkäuer am Standort Lindenhöfe der Versuchsstation Agrarwissenschaften