Anna-Lena Müller-Wengerofsky
persönliche Referentin des Rektors
Frau Müller-Wengerofsky, Sie waren ab Frühjahr 2024 bis Frühjahr 2026 die erste Leiterin des Green Office der Universität Hohenheim. Können Sie uns erzählen, wie es dazu kam, dass das Green Office an der Universität entstehen konnte?
Das Green Office ist ein richtig schönes Gemeinschaftsprojekt. Angefangen von der Idee aus der Studierendenschaft, ein Nachhaltigkeitsbüro in Hohenheim einzurichten, über die strukturellen und organisatorischen Überlegungen im wissenschaftsunterstützenden und im Wissenschaftsbereich bis hin zum engagierten Einsatz von Nachhaltigkeitsbegeisterten. Natürlich ist die Einrichtung einer komplett neuen Einheit oftmals eine Herausforderung. Ich durfte glücklicherweise schnell erfahren, dass der Wunsch, aber auch das Engagement in Hohenheim groß war, die „grünen Fäden“ zusammenzuführen. Diese Unterstützung war immer außerordentlich motivierend und inspirierend. Gerade in der Anfangszeit war die enge Anbindung an das Rektorat – und da war ich natürlich in einer guten Ausgangsposition als Persönliche Referentin des Rektors – immens wichtig, sodass wir grundlegende Strukturen aufbauen konnten und das Green Office nun gut dasteht.
Welche Aufgaben haben sich dann für das Green Office herauskristallisiert und wie kann man sich die Arbeit als Leitung eines solchen Nachhaltigkeitsbüros vorstellen?
Im Green Office bündeln wir die universitätsweiten Nachhaltigkeitsaktivitäten, machen diese sichtbar und vernetzen Akteur:innen, um Synergien zu schaffen. Wir sensibilisieren für das Thema Nachhaltigkeit durch verschiedene Workshops, Aktivitäten und Projekte und durch die Präsenz bei hochschulweiten Veranstaltungen. Unser Ziel ist es, die Universität noch nachhaltiger zu machen und eine Kultur der Nachhaltigkeit auf dem Campus zu etablieren.
Nach und nach haben wir ein kleines Team aufgebaut, in dem jede:r durch ihre bzw. seine Arbeit zu noch mehr Nachhaltigkeit beiträgt, z. B. durch die Unterstützung unserer Green Teams, die Veranstaltungsplanung, interne und externe Kommunikation, Netzwerken etc. Neben der Personal- und Budgetverantwortung spielt die Weiterentwicklung des Green Office und ganz generell der Umgang mit dem Thema Nachhaltigkeit eine wichtige Rolle. Und natürlich ist es auch Aufgabe der Leitung, mit kleineren und größeren Herausforderungen umzugehen, die wir sicher alle aus unserem Arbeitsalltag kennen wie wütende E-Mails, nicht funktionierende Technik oder verlorengegangene Pakete.
Das Green Office wurde im vergangenen Jahr renoviert, was uns außerordentlich gefreut hat. Allerdings dauerten die Renovierungsmaßnahmen deutlich länger als geplant, was dazu führte, dass wir viele Veranstaltungen verschieben mussten und gerade die neuen Studierenden das Green Office nicht so kennenlernen konnten, wie wir uns das gewünscht hätten. Es ist also noch immer wichtig, ganz generell das Thema Nachhaltigkeit und auch die Informationen über unser Green Office auf dem Campus zu teilen.
Welche ganz konkreten Maßnahmen oder Projekte fallen Ihnen ein, die während Ihrer Zeit im Green Office umgesetzt wurden, an die Sie sehr gerne zurückdenken?
Es ist es mir immer ein Anliegen gewesen, die Kolleg:innen aus den verschiedenen Bereichen zu vernetzen und in Austausch zu bringen. Im Green Office sitzen die Professorin, der Mitarbeiter aus dem wissenschaftsunterstützenden Bereich, die Studentin etc. gemeinsam an einem Tisch, was im Alltag nur selten vorkommt. Dies eröffnet die tolle Möglichkeit, Probleme auf dem kleinen Dienstweg zu lösen, was ohne die Green Teams oft nur durch langwierigen Mailverkehr oder Telefon-Ping-Pong gelingt. Besonders beeindruckend fand ich, wie produktiv die Arbeit in den Green Teams ist und wie durch die verschiedenen Sichtweisen gut abgestimmte Projekte entstehen konnten. An vielen Stellen haben wir gemerkt, dass auch der Weg hin zum Projektabschluss das Ziel ist, da während dieses Prozesses viel Verständnis für die jeweils andere Perspektive und deren Beweggründe geschaffen werden konnte. Ganz generell gibt es so viele gute Ideen in Hohenheim, wir müssen das Rad nicht immer neu erfinden, wir müssen einfach mal häufiger miteinander reden.
Ein weiteres Highlight war sicher die Arbeit der studentischen Mitarbeitenden, die sich sehr schnell mit dem Green Office identifiziert haben und nach einer kurzen Eingewöhnungszeit ihre eigenen Ideen eingebracht haben. Dies zu erleben hat auch mich immer wieder inspiriert, outside the box zu denken.
Ansonsten kann ich mich ehrlich gesagt nicht entscheiden, jedes Projekt für sich war schön, aus jedem Projekt konnten wir etwas lernen und ich denke gerne an jedes einzelne zurück: Nachhaltigkeits-Challenge, Factsheets zum Nachhaltigkeitsthemen, Workshops für Studierende, für Lehrende, für Mitarbeitende, GreenTalks, GreenReading, Dies academicus und Tag der offenen Tür, Studienauftaktmesse, Bibliothek der Dinge, Green Event BW und viele mehr – und natürlich noch prominent hervorzuheben: die partizipativ entwickelte Nachhaltigkeitsstrategie.
Sie haben oben erwähnt, dass Sie sowohl Persönliche Referentin des Rektors waren als auch Leiterin des Green Office. Welche Rolle hat diese Doppelfunktion für die Realisierung des Green Office gespielt?
Es war mir persönlich ein wichtiges Anliegen, die Idee des Nachhaltigkeitsbüros in die Tat umzusetzen. Es gab bereits tolle Ideen und gute Vorarbeiten. Diese mussten geordnet, vervollständigt und strukturiert aufbereitet an die entsprechenden Stellen gebracht werden, damit es von der Idee auch tatsächlich zur Umsetzung kommen konnte. Aus meiner Perspektive konnte vor allem der Start durch die enge Anbindung an die Universitätsleitung und den kurzen Draht zum Rektor gut abgestimmt, die Entwicklung des Green Office zügig vorangebracht und es so auch zukunftsfähig aufgestellt werden. Um dem Thema noch mehr Sichtbarkeit zu verleihen und sicherzustellen, dass es bei Entscheidungsprozessen in den universitären Gremien einen festen Platz einnimmt, haben wir außerdem das damalige Prorektorat für Digitale Transformation um das Thema Nachhaltigkeit ergänzt.
Inzwischen sind sie wieder zu 100 % als Persönliche Referentin von Rektor Christoph Schneider tätig. Welche Rolle spielen Nachhaltigkeitsaspekte in Ihrer aktuellen Arbeit?
Ich habe diese zwei Jahre der Entwicklung und der Koordination des Green Office, vor allem aber die persönliche Zusammenarbeit und die vielfältigen Perspektiven auf unserem Campus sehr geschätzt. Ich bin froh, dass wir gemeinsam gute Strukturen schaffen konnten, sodass Nachhaltigkeit in und von allen Bereichen mitgedacht wird und nicht nur on top kommt. Nachhaltigkeit ist ein Thema, das uns alle betrifft und das wir nur gemeinsam angehen können. Auch als Persönliche Referentin spielt das Thema weiterhin eine wichtige Rolle. Der Rektor bekommt häufig Anfragen aus der (Hochschul-)Politik, Wirtschaft, aber auch der Bevölkerung, vor allem natürlich die ökologischen Dimensionen der Nachhaltigkeit betreffend, aber auch die ökomomischen – und immer mehr – die sozialen. Auch im Team hinterfragen wir regelmäßig, wie wir noch nachhaltiger werden können und uns bspw. dem Ziel, ein nahezu papierfreies Büro zu werden, immer weiter annähern können.
Vermutlich werde ich es mir auch nicht verkneifen können, mich das ein oder andere Mal in einem unserer Green Teams sehen zu lassen, denn das schöne Miteinander und das Entwickeln von Ideen und schließlich zu sehen, was wir gemeinsam geschafft haben, macht immer ein gutes Gefühl.
An dieser Stelle danke ich nochmals allen Hohenheimer Nachhaltigkeitsengagierten sehr herzlich für die tolle Zusammenarbeit und für jeden einzelnen Beitrag, der unsere Universität noch nachhaltiger macht.
Vielen Dank für das Gespräch!
Februar 2026