Chancen gerechter verteilen – Rahmenbedingungen schaffen

Prof. Dr. Verena Hüttl-Maack ist Gleichstellungsbeauftragte der Universität. Im Gespräch mit ihr geht es darum, welche Rolle mehr Geschlechtergerechtigkeit für die Universität spielt und welchen Rahmen es dafür benötigt.

Foto: Eine Person trägt einen türkisfarbenen Hoodie mit dem Logo der Universität Hohenheim. Im Hintergrund ist ein Gebäude und eine grüne Wiese zu sehen.

Verena Hüttl-Maack

Gleich­stellungs­beauftragte für den wissen­schaftlichen Bereich

 

Geschlechtergerechtigkeit ist mit dem „SDG 5“ auch Teil der globalen Nachhaltigkeitsziele der Vereinten Nationen. Was bedeutet dieser Begriff für uns als Uni­versi­tät konkret? Um was geht es, wenn wir in Hohen­heim zu mehr Geschlechtergerechtigkeit beitragen wollen?

Geschlechtergerechtigkeit bedeutet für uns nicht, alle gleich zu behandeln, sondern allen gleiche Chancen auf Teilhabe und Erfolg zu ermöglichen, unabhängig vom Geschlecht. Hoch­schulen sind historisch gewachsene Institutionen, deren Strukturen und Karrieremodelle lange Zeit stärker an männlichen Lebensläufen orientiert waren. Bis heute können sich bspw. Anforderungen wissen­schaft­licher Karrierewege mit familiären Verpflichtungen überschneiden und unterschiedliche Hürden erzeugen. Auch bei der Leistungswahrnehmung gibt es einen männlichen Bias: Wissen­schaftlerinnen und ihre exzellenten Leistungen erfahren in Öffentlichkeit und Fachdisziplin häufig weniger Sichtbarkeit und Anerkennung. Wenn wir in Hohen­heim zu mehr Geschlechtergerechtigkeit beitragen wollen, müssen wir solche Barrieren sichtbar machen und abbauen. 

Wo stehen wir an der Uni­versi­tät Hohen­heim, wenn man sich diese Punkte genauer anschaut? Welche besonders großen Baustellen sehen Sie in diesem Bereich für uns an der Uni­versi­tät?  

Die Uni­versi­tät Hohen­heim hat in den vergangenen Jahren wichtige Fortschritte erzielt. So lag der Professorinnenanteil im Jahr 2025 mit 30,8 % auf einem Höchststand. Vergleicht man diesen Wert aber mit dem Frauenanteil von fast 60 % unter den Absolvent:innen, wirkt der Wert nicht mehr so hoch; angesichts dessen ist ein Professorinnenanteil von gut 30 % nicht zufriedenstellend. Offenbar gelingt es uns bislang nicht ausreichend, das Potenzial von Wissen­schaftlerinnen bis zur Professur auszuschöpfen. Wenn wir mehr Frauen für Professuren gewinnen wollen, müssen wir die Übergänge zwischen den einzelnen Qualifizierungsstufen genauer in den Blick nehmen und besser verstehen, wo und warum Frauen auf dem wissen­schaftlichen Karriereweg „verloren gehen“. Auf dieser Grundlage können wir die Rahmenbedingungen gezielt weiterentwickeln.

Sie sind die Uni­versi­tätsgleichstellungbeauftragte, diese Aufgabe übernehmen sie zusätzlich zu Ihrem eigentlichen Job als Leiterin des Fachgebiets Marketing und Konsumverhalten. Können Sie uns von ihren Aufgaben und aus Ihren Arbeitsalltag und als Gleich­stellungs­beauftragte noch ein bisschen erzählen?  Mit welchen weiteren Strukturen oder Personen arbeiten Sie beispielsweise besonders eng zusammen? 

Die Aufgabe als Gleich­stellungs­beauftragte ist sehr vielfältig und lebt von der engen Zusammenarbeit mit vielen Akteuren. Besonders eng arbeite ich mit der Gleichstellungsreferentin Regina Rapp und den Mitarbeiterinnen des Büros für Gleichstellung und Diversität zusammen. Gemeinsam entwickeln wir beispielsweise strategische Themen wie das Gleichstellungskonzept und die Diversitätsarbeit weiter und gestalten Maßnahmen im Rahmen des Professorinnenprogramms. Daneben berate ich Beschäftigte und Gremien in Gleichstellungsfragen und vertrete die Uni­versi­tät in hochschulübergreifenden Netz­werken. 

Falls es Dinge gibt, die Sie in Ihrer Arbeit als Gleich­stellungs­beauftragte ärgern – oder besonders Mut machen, welche sind das? 

Mich beschäftigt vor allem, dass Veränderungen an Hoch­schulen oft viel Zeit brauchen. Gerade bei der Erhöhung des Professorinnenanteils sehen wir Fortschritte, aber eben auch, dass strukturelle Veränderungen nicht von heute auf morgen gelingen. Gleichzeitig macht mir Mut, dass Gleichstellung bei uns in Hohen­heim durchaus als gemeinsame Aufgabe verstanden wird. Ich erlebe viel Offenheit und eine Universitäts­leitung, die das Thema Gleichstellung sehr unterstützt und seine Bedeutung klar betont. Auch die Bereitschaft, bestehende Strukturen kritisch zu hinterfragen und weiterzuentwickeln, ist da. Diese Haltung ist aus meiner Sicht die wichtigste Voraussetzung dafür, langfristig etwas zu verändern.

Welche drei Dinge würden Sie sich von jeder:m Hohen­heimer:in mit Blick auf eine (noch bessere) Kultur der Chancengerechtigkeit, Diversität und Toleranz wünschen? 

Ich wünsche mir, dass wir alle immer wieder bewusst versuchen, die Perspektive anderer einzunehmen. Wer die Welt mit den Augen eines anderen betrachtet, entwickelt oft mehr Verständnis für unterschiedliche Erfahrungen und Bedürfnisse. 
Zudem wünsche ich mir eine offene Kommuni­kation und gegenseitiges Zuhören. Manchmal müsste man einfach mehr miteinander sprechen, zuhören und im Austausch sein.

Vielen Dank für das Gespräch! 

 

Stand Juni 2026
 

Steckbrief

Name: 
Prof. Dr. Verena Hüttl-Maack

Rolle: 
Universitätsgleichstellungsbeauftragte, Professorin

Ein Lieblingsort an der Universität: 
Der Park

Mein Tipp für gut Laune:
Musik hören, die gute Laune macht. Das funktioniert fast immer und überall.